Im deutschsprachigen Raum leiden über 14 Mio. Menschen unter einer Angststörung. Etwa 2 Mio. davon werden regelmäßig von Panikattacken geplagt, der wohl schlimmsten Form der Angsterkrankung. Die Behandlung von Angstanfällen findet aktuell vor allem auf zwei Ebenen statt. Ebene 1 ist die Behandlung mit Medikamenten in Form von Antidepressiva und starken Beruhigungsmitteln, sogenannten Benzodiazepinen. Ebene 2 ist die Psychotherapie, bei der vor allem die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz kommt. Darüber hinaus gibt es aber noch einen weiteren Therapieansatz, der bei Betroffenen immer beliebter wird: Die sogenannte „Bernhardt-Methode“.

Die neurobiologischen Grundlagen von Panikattacken erkennen und ausschalten.

Im Institut für moderne Psychotherapie in Berlin wurde vor 4 Jahren eine vollkommen neue Form der Angsttherapie vorgestellt, die auch sehr gut als Selbsttherapie angewendet werden kann. Benannt wurde sie nach Ihrem Entwickler, dem Angsttherapeuten und internationalen Bestseller-Autor Klaus Bernhardt. Sie basiert auf den neusten Erkenntnissen der Hirnforschung und unterscheidet sich in vielen Punkten von herkömmlichen Angsttherapien. Während Angstpatienten sich bislang entweder nur mit Medikamenten betäuben konnten oder aber durch permanente Konfrontation mit der Angst schmerzhaft erlernen mussten, angstbesetzte Situationen irgendwie zu ertragen, geht diese Form der Therapie völlig neue Wege. Angstpatienten werden hier Schritt für Schritt angeleitet, ihr Gehirn regelrecht „umzuprogrammieren“.

Wiederkehrende Angstanfälle: Häufig nur die Folge eines falsch vernetzten Gehirns.

Was auf den ersten Blick sehr technisch klingt, erweist sich bei näherer Betrachtung als durchaus logisch.  Denn das menschliche Gehirn speichert alle Erfahrung in Form von synaptischen Verbindungen ab und baut aus wiederholt ablaufenden Gedanken und Handlungsabläufen automatisiert ablaufende Prozesse. Das dahinterliegende Prinzip nennt sich Neuroplastizität und wie es wirkt, lässt sich gut am Beispiel „Zähneputzen“ erklären. Kein Erwachsener muss noch bewusst darüber nachdenken, ob er auch wirklich alle Zähne geputzt hat. Vollkommen automatisch reinigen wir jeden einzelnen Zahn, während wir in Gedanken meist ganz woanders sind. Die entsprechenden Bewegungsabläufe sind neuronal so abgespeichert, dass sie vollautomatisch ablaufen. Und genauso verhält es sich auch, wenn angstbesetztes und sorgenvollen Denken so häufig wiederholt wird, dass aus einer einmaligen Panikattacke eine regelrechte Angststörung entstehen kann. Wenn sich jedoch Angst und Panik neuronal automatisieren können, dann muss sich auch Leichtigkeit und Gelassenheit neuronal im Gehirn verankern lassen. Und genau das geht mit der Bernhardt-Methode besonders schnell und angenehm.

Schritt für Schritt raus aus der Angst, ohne Konfrontation und ohne Medikamente.

Wie genau die Selbsttherapie mit der Bernhardt-Methode funktioniert, haben wir in einem Video mit dem Titel „Was passiert im Gehirn bei Angst“ für Sie zusammengefasst, dass Sie gleich hier ansehen können. Es ist Teil eines 45-teiligen Videokurses, der vom Institut für moderne Psychotherapie begleitend zum Buchbestseller „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ veröffentlicht wurde.  Ziel ist es, Angstpatienten eine Schritt-für-Schritt-Anleitung an die Hand zu geben, mit der sie ihr Gehirn im wahrsten Sinn des Wortes selbst umprogrammieren können.

Die anderen 44 Folgen finden Sie HIER

Panikattacken: Welche Therapie hilft und welche richtet unter Umständen sogar Schaden an?

Sollten Sie das Video über diesem Text bereits vollständig gesehen haben, haben Sie vermutlich bereits eine Idee, warum bestimmte Therapieformen bei Ihnen bislang nicht den gewünschten Effekt hatten. Natürlich ist es möglich mit der Konfrontationstherapie, auch Expositionstherapie genannt, zu erlernen, seine Ängste zu ertragen. Dieses „sich seinen Ängsten stellen“ sorgt jedoch in vielen Fällen nicht dafür, dass Sie wirklich angstfrei werden. Vielmehr lernen Sie nur, die in Ihnen aufkommende Angst anders zu bewerten und besser zu ertragen. Viele Situationen lösen auch nach der Therapie ein unbehagliches Gefühl aus, so dass Betroffene häufig unterbewusst versuchen, diesen auch weiterhin so oft wie möglich aus dem Weg zu gehen. Denn auch wenn Sie nach der Therapie gelernt haben, dass Schweißausbrüche, Benommenheit oder das Gefühl neben sich zu stehen, die sogenannte Derealisation, nicht lebensbedrohlich sind, schön sind all diese Gefühle nach wie vor nicht, weswegen Betroffene sich fast zwangsläufig wieder ein Vermeidungsverhalten angewöhnen.

So entkommen Sie dem Teufelskreis der Angst dauerhaft!

Wäre es nicht viel besser, wenn Sie wirklich keine Symptome der Angst mehr in Situationen empfinden würde, die ganz offensichtlich harmlos sind, wie z.B. im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, sich in größeren Menschenmengen aufhalten, im Supermarkt an der Kasse stehen oder in den Urlaub fliegen? Denn was hilft es ihnen schon zu wissen, dass all die körperlichen Symptome wie Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Ohnmachts-Gefühle, Kribbeln in Armen oder Beinen, Hitzewallungen, Kloß im Hals und vieles mehr nur psychosomatisch sind, wenn Sie all diese Gefühle dennoch als vollkommen real empfinden? Also bleibt nur ein einziger Weg: Diese realen Empfindungen dürfen verschwinden. Das geht jedoch nur, wenn die neuronalen Verbindungen, durch die all diese Gefühle ausgelöst werden, ebenfalls verschwinden. Und das geht aus Sicht der Gehirnforschung nur, wenn sie durch andere Verbindungen ersetzt werden, in denen genau das Gegenteil gespeichert ist, also Leichtigkeit, Gelassenheit und Freude. Man kann ein Problem nicht lösen, indem man sich noch mehr auf das Problem fokussiert. Was Angstpatienten fehlt, ist kein dickeres Fell. Es fehlt vielmehr die Vorstellungskraft, dass ehemals angstbesetzte Situationen auch wieder völlig angstfrei durchlebt werden können. Und genau da muss eine erfolgreiche Angsttherapie anzusetzen. Nur wenn das Gehirn neuronal wieder auf Leichtigkeit und Freude „programmiert“ wird, können Panikattacken und auch das damit einhergehende Vermeidungsverhalten Schritt für Schritt verschwinden.

Medikamente gegen Panikattacken, nur selten eine gute Idee.

Leider ändern auch Antidepressiva und Bezodiazepine nichts daran, wie Angst und Panik sich strukturell im Gehirn verankert haben. Stattdessen kann eine medikamentenbasierte Therapie zu weiteren gesundheitlichen Problemen führen. Beruhigungsmittel wie z.B. Tavor, Diazepam, Lorazepam, Alprazolam oder Xanax machen nämlich bereits nach wenigen Wochen regelmäßiger Einnahme körperlich abhängig. Und auch bei der Einnahme von Antidepressiva kann es zu massiven Problemen kommen. Zum einen durch die zum Teil erheblichen Nebenwirkungen und zum anderen durch das sogenannte Absetzsyndrom.

Antidepressiva, bei Panikattacken: Wenig Hilfe und viele Nebenwirkungen.

Es gibt zwei große Probleme bei der medikamentenzentrierten Therapie von Panikattacken. Zum einen werden hierbei nur Angstsymptome unterdrückt, während die eigentlichen Ursachen unbehandelt bleiben. Zum anderen können zum Teil etliche Nebenwirkungen auftreten, von denen Schwitzen, Übelkeit, Mundtrockenheit, oder Schlaflosigkeit noch zu den harmloseren gehören, jedoch mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 10% bereits sehr häufig auftreten.

Ebenfalls häufig (also in 1 – 10%) aller Fälle werden folgende Nebenwirkungen beobachtet:

  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Herzrasen
  • Nervosität
  • Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • Kraftlosigkeit
  • Muskelschmerzen
  • Zittern (Tremor)
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Konzentrationsstörungen
  • Ängstlichkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Hautirritationen

Besonders häufig treten sexuelle Funktionsstörungen auf: Laut ÄrzteZeitung  https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Strategien-wenn-Psychopharmaka-das-Liebesleben-beeintraechtigen-258250.html  leiden 59 Prozent der Patienten darunter, wenn sie ein Antidepressivum der SSRI-Klasse einnehmen (SSRI = selektive Serotonin Wiederaufnahmehemmer). Besorgniserregend ist zudem die Tatsache, dass die Sexualität der Betroffenen oft auch Jahre nach dem Einnahmestopp noch beeinträchtigt ist. Dies gilt laut Recherchen der ÄrzteZeitung vor allem für folgende Präparate:

  • Citalopram
  • Clomipramin
  • Escitalopram
  • Fluoxetin
  • Fluvoxamin
  • Mirtazepin
  • Paroxetin
  • Sertralin
  • Venlafaxin

Statt also Antidepressiva einzunehmen und dadurch eine ganze Reihe von belastenden Nebenwirkungen zu riskieren, macht es mehr Sinn, den wahren Ursachen von Panikattacken auf den Grund zu gehen. Denn wer Psychopharmaka einnimmt und denkt, er könne so dem Teufelskreis der Angst entgehen, der schafft in aller Regel nur zusätzliche Probleme, die oft auch Jahre nach Absetzen der Medikation noch bestehen können.

Die Angst davor, nicht richtig zu „ticken“.

Meist lautet die Diagnose Panikstörung oder auch Agoraphobie mit Panikattacken. Viele Betroffene wissen zunächst nicht, was sie mit dieser Diagnose anfangen sollen. Manche sind erleichtert, weil Sie endlich wissen, wo der erhöhte Herzschlag, das Gefühl der Taubheit oder das unwirkliche Gefühl irgendwie neben sich zu stehen (die sogenannte Derealisation) ursächlich herkommen.

Andere hingegen können nicht glauben, dass derart lebensbedrohliche Gefühle nur psychosomatisch sein sollen und beginnen nun von Arzt zu Arzt zu gehen, um doch noch einen körperlichen Auslöser für Ihre Angsterkrankung zu finden. Die Angst davor, dass ihre Panikattacken wirklich nur ein psychisches Problem sind, löst in Ihnen extremes Unbehagen und nicht selten erneute Schweißausbrüche aus. Deshalb vergehen oft Jahre, bis die Betroffenen sich endlich eingestehen, dass sie wirklich unter einer Panikstörung leiden. Wie sehr sie sich damit jedoch selbst schaden, wird meist erst dann klar, wenn sie anschließend viele Jahre der Therapie benötigen, bis sie wieder halbwegs angstfrei leben können. Denn je länger eine Agoraphobie oder eine Panikstörung nicht behandelt wird, umso länger dauert es anschließend, bis diese überwunden werden kann.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass viele Ärzte zu wenig darüber Bescheid wissen, welche Ursachen wirklich für das Auftreten von Angst und Panik in Frage kommen, und wo man mit einer Therapie am besten anfängt.

Einmalige Panikattacken kennt fast jeder. Erst die gedankliche Auseinandersetzung damit lässt eine Angststörung entstehen.

Die Gründe für eine einmalige Panikattacke sind vielfältig. Eine kurzzeitige Schilddrüsenüberfunktion, z.B. durch falsch dosierte Schilddrüsenmedikamente, ein ernährungsbedingter Vitamin B12 Mangel oder auch eine allergische Reaktion auf ein Antibiotikum kommen hierfür in Frage. Aber auch eine schockierende Nachricht oder die Einnahme von Drogen können eine einmalige Panikattacke auslösen.

Doch erst das permanente Grübeln darüber, was da mit einem nicht stimmt, vernetzt das Gehirn im Laufe von Wochen so, dass Panikattacken wiederholt auftreten.  Ja Sie lesen richtig! Nicht die Panikattacke selbst, sondern das anschließende Nachdenken darüber, ob man nun ernsthaft krank ist und ob irgendwas im Herzen oder im Kopf nicht stimmt, erst dieses permanente negative Grübeln führt zu einer Panikstörung.

Konfrontationstherapie: Der falsche Weg bei Panikattacken.

Panikattacken sind keine einfache Phobie, wie z.B. eine Spinnenphobie, die man mit einer Expositionstherapie, also mit der wiederholten Konfrontation mit eigentlich harmlosen, aber dennoch angstauslösenden Situationen bekämpfen könnte. Vielmehr basieren Panikattacken auf einem ungünstig verknüpften Gehirn, dessen Strukturen mit den geeigneten Techniken wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden dürfen.

Aus demselben Grund zeigt auch die Behandlung mit Hypnose nur selten dauerhaften Erfolg. Während einfachen Phobien damit oft schon nach ein oder zwei Sitzungen wie weggeblasen sind, benötigt man bei einer ersthaften Angsterkrankung die aktive Mitarbeit des Panikpatienten. Denn nur der Betroffene selbst kann sein Gehirn durch regelmäßiges Mentaltraining so umstrukturieren, dass die neuronale Automation, die zur Panikstörung führte, dauerhaft abgebaut werden kann. Wichtig ist zudem, dass Panikattacken nicht nur als Belastung gesehen werden, sondern der Betroffene auch versteht, dass die Panik eine weitere und oft unterschätzte Funktion hat. Sie warnt uns vor falschen Entscheidungen.

Panikattacken: Nicht selten auch ein Liebesdienst der Psyche.

Es gibt Menschen, die handelt jahrelang wider besseres Wissen. Manche reden sich eine Beziehung schön, die längst zum Albtraum mutiert ist. Andere verharren in beruflichen Situationen, in denen Sie gemobbt werden oder besuchen Woche für Woche ein mürrisches Elternteil, ohne jemals Dank dafür zu bekommen. Wann immer Menschen wider das gesunde Bauchgefühl handeln, sucht ihr Unterbewusstsein nach einem Weg, um sie darauf aufmerksam zu machen, dass dieses Verhalten auf Dauer schädlich für die eigene Gesundheit ist.

Meist fängt es mit psychosomatischen Beschwerden an, wie z.B. grundlosem Herzklopfen, Magenproblemen, Durchfall, Schlaflosigkeit oder auch kleine Ticks, wie z.B. einem zuckenden Augenlid. Werden diese Warnhinweise der Psyche aber weiterhin ignoriert, dann fährt das Unterbewusstsein zur Not auch schwerere Geschütze auf. Kommt jetzt eine Panikattacke, ist sie keine Fehlfunktion des Gehirns. Ganz im Gegenteil, sie ist nicht mehr und nicht weniger als ein Liebesdienst der Psyche, die einen mit Nachdruck daran erinnern möchte, dass ein bestimmtes Verhalten dringend verändert werden muss, damit Sie nicht dauerhaft Schaden nehmen.

Womöglich können Sie sich das kaum vorstellen, doch im Institut für moderne Psychotherapie erleben wir jeden Tag, dass Panikattacken einfach so von selbst verschwinden, nur weil jemand die Mut hatte, eine schlechte Beziehung zu beenden, sich einen besseren Job zu suchen oder eine externe Pflegekraft für ein krankes Elternteil zu organisieren. Deswegen unser Tipp: Fragen Sie sich bei wiederkehrenden Panikattacken, wo in Ihrem Leben Sie vielleicht schon länger nicht mehr auf Ihr gesundes Bauchgefühl gehört haben. Und falls Sie momentan keine Idee haben, was genau dieses Bauchgefühl Ihnen sagen möchte, dann werfen Sie doch mal einen Blick in das Buch „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“. Bestimmt finden Sie darin den ein oder anderen Hinweis, was ursächlich hinter Ihrer ganz persönlichen Angststörung stecken könnte.

zu unserem Videokurs

Über den Autor

Klaus Bernhardt

Klaus Bernhardt leitet in Berlin das Institut für moderne Psychotherapie. Er ist Autor der beiden Spiegelbestseller: „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ sowie „Depression und Burnout loswerden“. Seine Bücher wurden bislang in 18 Sprachen übersetzt und haben bereits unzähligen Menschen dabei geholfen, aus eigener Kraft psychische Probleme zu überwinden. Klaus Bernhardt ist Mitglied der Akademie für neurowissenschaftliches Bildungsmanagement (AFNB) und ehrenamtlicher Moderator in der Initiative neues Lernen (INL).