Hashimoto, Ängste und Depressionen: Wenn Schilddrüsen-Medikamente psychisch krank machen.

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Welchen Einfluss die Schilddrüse auf die psychische Gesundheit hat, weiß wohl nur jemand, der eine Schilddrüsenerkrankung wie z.B. Hashimoto hat. Vor allem Betroffene, die unter Ängsten oder Depressionen leiden, sollten deshalb wissen, dass oft schon kleine Maßnahmen genügen, um wieder deutlich mehr Lebensqualität zu erlangen. Welche das im Einzelnen sind, das klärt dieser Blogartikel vom Institut für moderne Psychotherapie in Berlin.

INHALT

Wenn Hashimoto und psychische Probleme Hand in Hand gehen

Im Institut für moderne Psychotherapie behandeln wir in erster Linie Patienten, die wegen Panikattacken, Angststörungen, Depressionen oder einem Burnout-Syndrom zu uns kommen. Überdurchschnittlich viele der Betroffenen leiden zusätzlich noch unter Hashimoto und müssen deshalb dauerhaft synthetische Schilddrüsenhormone zu sich nehmen. Doch nicht selten entpuppen sich genau diese Medikamente als Auslöser der psychischen Probleme. Entweder weil unwissentlich die falsche Dosis eingenommen wird oder aber, weil bestimmte Präparate generell nicht gut vertragen werden.

Synthetischen Schilddrüsenhormone, wie z.B.: L-Thyroxin oder Euthyrox, zählen zu den meistverschriebenen Medikamenten weltweit. Doch leider vertragen nicht alle diese Medikamente gleich gut. Vor allem Dosierungsfehler führen dazu, das Betroffene unter Panikattacken, Angststörungen oder Depressionen leiden.

Doch selbst bei scheinbar richtiger Dosierung können psychische Probleme auftreten, denn tatsächlich variiert der tatsächliche Thyroxin-Bedarf wesentlich stärker, als den meisten bewusst ist.

Hashimoto und das Problem der richtigen Medikamenten-Dosis

„Meine Dosis ist richtig, die lasse ich jedes Jahr vom Arzt neu bestimmen.“

Immer wieder höre ich von Patienten mit Hashimoto Aussagen wie diese, doch leider muss ich oft feststellen, dass sie nie richtig über ihre Krankheit aufgeklärt wurden. Denn wieviel Schilddrüsen-Hormone ein Mensch letztlich braucht bzw. verbraucht, hängt unter anderem auch davon ab, wie stressig seine aktuelle Lebenssituation ist.

Sie können sich das wie den Benzinverbrauch eines Autos vorstellen. Fahren Sie gemütlich mit 80 km über die Landstraße, verbraucht Ihr Auto vielleicht nur 7 Liter auf 100 km. Rasen Sie aber mit 180 km/h über die Autobahn, dann verbrauchen Sie für dieselbe Strecke 12 Liter oder mehr. Genauso verhält es sich auch mit Schilddrüsen-Hormonen. Hatten Sie in den Tagen vor dem Arztbesuch, bei dem Ihre Medikamenten-Dosis überprüft und neu festgelegt wurde, extrem viel Stress, dann haben Sie in dieser Zeit mehr Thyroxin verbraucht, als Sie über die Medikamente zu sich genommen haben.

Fragt Ihr Arzt nicht explizit nach, ob Sie in letzter Zeit viel Stress hatten, wird er eine scheinbare Unterversorgung mit Thyroxin feststellen und Ihre Dosis erhöhen. War der Stress jedoch nur kurzfristig, nehmen Sie bis zur nächsten Überprüfung wesentlich mehr Hormone zu sich, als Sie eigentlich brauchen. Dies führt mit der Zeit zu Symptomen, die man auch von einer Schilddrüsenüberfunktion kennt: Unruhe, plötzliches Herzrasen, Händezittern, Schweißausbrüche, Durchfall und Nervosität. 

Da alle diese Symptome auch typisch für eine Angststörung sind, kommt es nicht selten zu einer Fehldiagnose, da die Schilddrüsen-Hormone ja angeblich optimal eingestellt sind.   

Schilddrüsen-Hormone werden situationsabhängig verbraucht

Waren Sie hingegen unmittelbar vor der Bestimmung Ihres Hormonspiegels im Urlaub und haben sich gut erholt, dann haben Sie in dieser Zeit wesentlich weniger Hormone verbraucht, als Sie zu sich genommen haben. Fragt Ihr Arzt diesbezüglich nicht nach, wird er eine scheinbare Überversorgung diagnostizieren und Ihre Medikamenten-Dosis reduzieren. Ihr nächster Urlaub ist aber womöglich in weiter Ferne und deshalb benötigen Sie im alltäglichen Stress deutlich mehr Schilddrüsen-Hormone, als Sie nun zu sich nehmen. Auch diesmal ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich erste Krankheits-Symptome einstellen, diesmal allerdings wie bei einer Schilddrüsenunterfunktion: Antriebslosigkeit, Müdigkeit, depressive Verstimmungen und Gewichtszunahme. Und wieder besteht die Gefahr einer Fehldiagnose, wie z.B. Depression oder Burnout-Syndrom, weil der Hormonspiegel ja gerade erst überprüft wurde und die Medikation scheinbar richtig eingestellt ist. Werden nun zusätzlich völlig unnötig noch Antidepressiva verabreicht, geraten die Betroffenen häufig in einen Teufelskreis, der aus psychisch gesunden Menschen binnen kürzester Zeit seelische Wracks macht.

Deshalb unser Tipp: Lassen Sie die Dosis Ihrer Schilddrüsen-Medikamente unbedingt öfter als nur einmal im Jahr überprüfen, vor allem dann, wenn Sie unter Burnout, Depressionen, Ängsten oder gar Panikattacken leiden. Nicht selten lösen sich diese seelischen Probleme sprichwörtlich in Luft auf, wenn sich herausstellt, dass sie lediglich die falsche Medikamenten-Dosis zu sich genommen haben.

Manche vertragen natürliche Schilddrüsen-Hormone vom Schwein besser als die synthetisch hergestellten

Meine Frau, die selbst seit vielen Jahren mit der Diagnose Hashimoto lebt, hat Ihre Medikation vor einigen Jahren von synthetischen Schilddrüsen-Hormonen auf natürliche Schilddrüsen-Hormone von Schwein umgestellt. Starke Stimmungsschwankungen, mit denen Sie früher immer wieder mal zu kämpfen hatte, gehören seither der Vergangenheit an. Ob das daran, liegt, dass die natürlichen Hormon-Präparate ein wesentlich breiteres Wirkstoffspektrum haben, kann ich Ihnen nicht sagen. Fest steht jedenfalls, dass L-Thyroxin und Euthyrox den Körper nur mit T4 versorgen. Das ebenfalls extrem wichtige T3 muss Ihr Körper dann selbst aus dem T4 herstellen. Natürliche Schilddrüsen-Hormone von Schwein liefern T3 gleich mit und entlasten den ohnehin angeschlagenen Körper dadurch.

Wer ebenfalls mit der Diagnose Hashimoto leben muss und das Gefühl hat, mit den synthetisch hergestellten Schilddrüsen-Hormonen nicht so recht klarzukommen, für den kann es sich lohnen, ebenfalls über eine Medikamentenumstellung nachzudenken. Allerdings ist es gar nicht so einfach, einen geeigneten Arzt zu finden, der Sie bei so einer Umstellung begleiten kann.

Deshalb haben wir für Betroffene eine Webseite ins Leben gerufen, in der (ohne Gewähr) Ärzte aufgeführt sind, mit denen unsere Patienten bereits gute Erfahrungen während so einer Umstellung gemacht haben. Sie lautet: www.Hilfe-bei-Hashimoto.de

Nicht nur auf die Schilddrüse achten!

Kein Organ arbeitet für sich alleine. Eine Schilddrüsenunterfunktion wirkt sich auf viele andere Organe aus, wodurch eine Reihe weiterer Beschwerden entstehen können: Müdigkeit, Frieren, Übelkeit, Haarausfall, Verstopfung, Übergewicht, Kopf- und Gelenkschmerzen sind hier nur einige Beispiele.

Wie Fußballspieler auf dem Feld, so arbeiten auch Organe als Team. Nur wenn alle ihren Job richtig machen, kann das Spiel erfolgreich sein, sprich kann man auch mit Hashimoto ein leichtes und weitgehend beschwerdefreies Leben führen. Deshalb ist es sehr wichtig, z.B. auch die Nebennierenrinde oder die Leber im Blick zu haben. Letztere wandelt z.B. einen Großteil des Hormons T4 in das benötigte T3 um. Wer L-Thyroxin oder Euthyrox verschrieben bekommen hat, nimmt nur den Wirkstoff T4 zu sich. Ist die Leber zu schwach, um ausreichend T4 in T3 umzuwandeln, entfalten die Medikamente nur teilweise Ihre gewünschte Wirkung.

Doch nicht nur unsere Organe stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Auch die Psyche beeinflusst unseren Körper und unser Wohlbefinden maßgeblich.

Die Verbindung zwischen Körper und Psyche ist keine Einbahnstraße

So wie eine falsche Medikamenten-Dosis zu Ängsten und Depressionen führen kann, so kann auch ständiges Grübeln sich verselbstständigen und Ihr Stress-Level soweit erhöhen, dass Sie deutlich mehr Thyroxin benötigen, als eigentlich nötig wäre. Deswegen macht es natürlich Sinn, nicht nur für die richtige Menge Thyroxin zu sorgen, sondern auch etwas gegen seine automatisiert ablaufenden Gedanken zu unternehmen, die vielleicht schon viel zu lange rund um die Themen Angst und Depression kreisen.

Auch wenn Sie sich das vielleicht kaum vorstellen können, es gibt eine ganze Reihe von Tipps und Tricks, mit denen es nicht nur Hashimoto-Patienten geschafft haben, Ängste, depressiven Verstimmungen und Burnout aus eigener Kraft zu überwinden. Sie finden all diese Tipps und Tricks in drei Büchern, die wir unter diesem Blogartikel für Sie verlinkt haben.

Speziell für Angstpatienten gibt es zudem noch unseren Online-Videokurs Endlich Angstfrei!, mit dem es nicht nur möglich ist, endlich die wahren Auslöser seiner Angst zu entlarven, sondern diese anschließend auch Schritt für Schritt zu überwinden. Die erste der 52 Folgen können Sie hier sofort kostenlos ansehen:

Kostenlos für Sie:
Die ersten 15 Minuten unseres neuen
Online-Videokurses: Endlich angstfrei!
Klaus Bernhardt

Über den Autor

Klaus Bernhardt leitet in Berlin das Institut für moderne Psychotherapie. Er ist Autor der beiden Spiegelbestseller: „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ sowie „Depression und Burnout loswerden“. Seine Bücher wurden bislang in 18 Sprachen übersetzt und haben bereits unzähligen Menschen dabei geholfen, aus eigener Kraft psychische Probleme zu überwinden. Klaus Bernhardt ist Mitglied der Akademie für neurowissenschaftliches Bildungsmanagement (AFNB) und ehrenamtlicher Moderator in der Initiative neues Lernen (INL).