Entstehung der Bernhardt-Methode gegen Angst und Panikattacken

//Entstehung der Bernhardt-Methode gegen Angst und Panikattacken

Entstehung der Bernhardt-Methode gegen Angst und Panikattacken

Interview mit Klaus Bernhardt (Teil 1/2)

Seit Jahren leitet Klaus Bernhardt als Heilpraktiker für Psychotherapie eine erfolgreiche Praxis in Berlin, sein Buch „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ schaffte kurz nach Veröffentlichung der zweiten Auflage im Ariston-Verlag 2017 den Sprung in die Spiegel-Bestsellerliste und hält sich seitdem dort.

Im ersten Teil dieser Interview-Serie spricht er über seinen Werdegang, den Weg zur Therapie von Angst- und Panikattacken – und natürlich die Entstehung der Bernhardt-Methode.

Herr Bernhardt, mittlerweile sind Sie als Autor und Therapeut einem breiten Publikum bekannt. Wie kamen Sie zur Behandlung von Angst- und Panikattacken?

Hier spielte mir der Zufall in die Hände – sowohl im Privaten als auch beruflich: In meiner 20-jährigen Tätigkeit als Medizin- und Wissenschaftsjournalist führten mich Dreharbeiten um die Welt. Dabei stieß ich auf Therapieansätze zur Behandlung von Ängsten und Depressionen, die sich stark von den Standardtherapien in Deutschland unterschieden. Dabei fiel mir auf: Obwohl unser Gehirn das zentrale Organ ist, wenn es um psychische Probleme geht, findet kaum Austausch zwischen Hirnforschern und praktischen Anwendern psychotherapeutischer Verfahren statt. Es klafft eine Wissenslücke von mindestens 20 Jahren zwischen dem, was wir bereits über die Entstehung von Angst im Gehirn wissen und dem, was derzeit als therapeutische Hilfe angeboten wird.

Hinzu kam mein Interesse, selbst als Therapeut tätig zu werden, als zwei nahestehende Freunde gleichzeitig an Angststörungen mit Panikattacken erkrankten. Auf ihren Wunsch hin begleitete ich eine Freundin zur Therapie, nahm an den Sitzungen teil – und war schockiert über den Umgang mit Angstpatienten: Sofort erhielt sie Antidepressiva, wurde in eine Klinik überstellt, in der sie mit Konfrontationstherapie behandelt wurde. Zu dieser Zeit standen Antidepressiva jedoch schon längst in der Kritik, nur bei schweren Depressionen einen nachweisbaren Nutzen zu erbringen. Bei leichten und mittelschweren Depressionen oder gar bei anderen Anwendungsformen, wie z.B. bei Ängsten, konnte bis heute keine Wirkung nachgewiesen werden, die über die eines Scheinmedikaments (Placebos) hinausgeht. Gerade in Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen von Antidepressiva, ist eine Anwendung bei Angststörungen also sehr kritisch zu betrachten.

Und auch die Konfrontations-Therapie arbeitet mit einem Ansatz, den ich eher als „suboptimal“ bezeichnen möchte. Denn hier geht es oft nur darum, dem Patienten beizubringen, dass er trotz seiner Angststörung wieder am alltäglichen Leben teilnehmen kann. Man lernt also, seine Angst auszuhalten und ihr nicht mehr soviel Bedeutung beizumessen. Ich weiß aber aus der Arbeit mit hunderten von Patienten, dass es möglich ist, eine Angststörung wirklich vollständig loszuwerden. Diese Menschen konnten wieder frei und leicht ihr Leben gestalten, ohne auch nur einen einzigen Gedanken mehr daran zu verschwenden, ob die Angst noch einmal über sie hereinbricht. Und genau das sollte zumindest meiner Meinung nach das Ziel jeder Psychotherapie sein. 

Was gab den Ausschlag zu Ihrer beruflichen Neuorientierung?

Meinen beiden Freunden konnte ich mit meinem bereits gesammelten Wissen gut helfen. Durch intensive Gespräche gelang es uns, ihr bisheriges Denken „umzuprogrammieren“, was schnell zu einer deutlichen Besserung ihres Allgemeinzustands führte.

Dieser Erfolg sprach sich herum, denn beide Freunde hatten sich während ihrer Klinikaufenthalte mit anderen Betroffenen angefreundet, welche sich zum Teil schon seit Jahren ohne nennenswerten Erfolg in Therapie befanden. So fanden immer mehr Angstpatienten den Weg in meine frisch eröffnete Praxis. Dann war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mich voll und ganz auf Angststörungen spezialisierte. Mittlerweile arbeiten nun schon 4 Therapeuten zusammen mit mir in der Praxis, um der ständig steigenden Nachfrage gerecht werden zu können.  Das war auch einer der Hauptgründe, warum ich mich entschieden habe, mein Wissen in Form eines Buches möglichst vielen Betroffenen, aber auch anderen Therapeuten zur Verfügung zu stellen.

Wie begegnen Sie Kritikern, die sagen, Sie seien ja „nur“ Heilpraktiker für Psychotherapie und kein studierter Psychologe?

Da kann ich glücklicherweise ganz gelassen bleiben. Denn zum einen stimmt das so gar nicht – und zum andern heißt es ja so treffend: „Wer heilt, hat recht!“ Tatsächlich habe ich neben dem Heilpraktiker für Psychotherapie noch drei verschiedene Hypnose-Ausbildungen abgeschlossen und bin Mitglied der Akademie für neurowissenschaftliches Bildungsmanagement.  Dadurch habe ich direkten Zugriff auf die neusten Erkenntnisse der Hirnforschung, die permanent in meine Arbeit einfließen. Zudem habe ich etliche Coaching-Ausbildungen für die Bereiche Kommunikation und Business abgeschlossen.

Auch davon profitiere ich bei der Arbeit mit meinen Angstpatienten. Nicht selten ist nämlich die Angst vor einer beruflichen Veränderung die Hauptursache für die Angststörung. Dank meines fundierten Businesswissens gelingt es mir jedoch in aller Regel sehr schnell, diese Ängste als unbegründet zu entlarven und Wege aufzuzeigen, die schon viele in eine bessere berufliche Position gebracht haben. Dadurch lösen sich viele Ängste im wahrsten Sinn des Wortes in Luft auf. Sie sehen also, ein therapeutischer Quereinsteiger zu sein, ist nicht grundsätzlich verkehrt, sondern kann manchmal sogar von Vorteil für die Patienten sein.

Auf welchen Therapien und Erkenntnissen basiert die Bernhardt-Methode?

Für mich hat eine Frage absolute Priorität: Was hilft meinen Patienten? Hierzu habe im Lauf der vergangenen Jahre mit weit über 1.000 Angstpatienten darüber gesprochen, welche Therapieformen sie bereits angewandt haben, was davon ihnen gutgetan hat und was sie eher zurückgeworfen hat. Zudem hat mich interessiert, wie lange der positive Effekt einer Behandlung angehalten hat und wo bzw. wann es zu Rückfällen kam. Dabei habe ich viel positives Feedback zu verschiedensten Therapieformen bekommen, von denen ich hier die vier wichtigsten exemplarisch nennen möchte:

  • kognitive Verhaltenstherapie
  • Akzeptanz-Commitment-Therapie
  • lösungsorientierte Kurzzeit-Therapie
  • Hypnose-Therapie.

Alle diese Therapieformen lieferten mir wichtige Bausteine für die Entwicklung meiner Methode. Wobei neben der Frage, was davon ich verwende, eine Frage noch wichtiger ist: Was lasse ich weg und warum. Hier kommen die Erkenntnisse der Hirnforschung ins Spiel.

Denn nicht alles, was sich heute als Standard etabliert hat, liefert bei Gehirnscans ein Ergebnis, das wünschenswert wäre. Ich nutze nur jene Bestandteile, die die Neuroplastizität des Gehirns eindeutig positiv anregen. Neuroplastizität ist die Fähigkeit unseres Gehirns, sich bis ins hohe Alter hinein neu zu verknüpfen und somit alte, ungünstige Verbindungen quasi zu überschreiben. Das Gehirn wird, vereinfacht gesagt, „umprogrammiert“, so dass es immer leistungsfähiger darin wird, Freude und Leichtigkeit zu empfinden – während der Angststörung gleichzeitig mehr und mehr der neuronale Nährboden entzogen wird.

Aus der Kombination all dieser Erkenntnisse entstand letztlich die „Bernhardt-Methode“, die ich nun schon seit Jahren erfolgreich in meiner Praxis anwende – und die ich in meinem Buch „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ beschreibe.

Begleitend zum Buch gibt es ja auch einen Videokurs. Inwieweit unterscheiden sich die Inhalte?

Diese Frage bekomme ich des Öfteren gestellt. Die Idee zum Videokurs kam mir, weil immer mehr Angstpatienten uns per Mail schrieben, dass sie gerne noch weitere Hilfe zum Buch hätten, aber nicht zu uns kommen können. Also haben wir alle Fragen ausgewertet, die in den vergangenen zwei Jahren an uns herangetragen wurden und ich habe diese so einfach, aber umfassend wie möglich per Video erklärt. Von den aktuell 45 Videos vertiefen etwa die Hälfte das Wissen und die Techniken aus dem Buch.

Die andere Hälfte besteht aus ganz neuen Techniken sowie vielen hilfreichen Denkansätzen, die ebenfalls zu einer schnellen Genesung beitragen können. Seit Erscheinen des Videokurses bekommen wir tolles Feedback aus den verschiedensten Regionen Deutschlands, aber auch aus der ganzen Welt. Bei immer mehr Menschen reicht alleine die Kombination aus Buch und Videokurs aus, um die Angststörung aus eigener Kraft überwinden. Das finde ich toll, denn Gesundheit sollte nicht davon abhängig sein, wo man wohnt oder ob man sich den Besuch in einer Privatpraxis leisten kann.

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass etwa 70 % der Betroffenen mit Ihrer Methode binnen weniger Wochen wieder angstfrei leben können. Was ist mit den anderen 30 %?

Viele Angstpatienten leiden zum Teil seit Jahrzehnten unter Angststörungen. Viele nehmen zudem Antidepressiva und/oder Beruhigungsmittel mit hohem Suchtpotential. Ein Gehirn, das über einen so langen Zeitraum ungünstig vernetzt wurde und dann zusätzlich noch in seinen kognitiven Fähigkeiten durch Medikamente ausgebremst wird, braucht in der Tat etwas länger, um wieder in die Spur zu kommen. Etwa 20 % dieser Extremfälle brauchen zwischen 3 und 9 Monaten, um die Ängste vollständig zu verlieren.

Je früher dabei die Medikamente unter ärztlicher Aufsicht ausgeschlichen werden, umso schneller zeigen sich erste Erfolge. Wobei dieses Ausschleichen unbedingt ganz langsam und über mehrere Wochen erfolgen sollte. Um auch den restlichen 10 % noch helfen zu können, habe ich die letzten 6 Monate dutzende von Studien durchforstet und ausgewertet.

Und tatsächlich konnte ich gleich mehrere versteckte körperliche Auslöser ausfindig machen, die ebenfalls mit Angststörungen in Verbindung gebracht werden. Da diese jedoch sowohl von Ärzten als auch von Therapeuten häufig übersehen werden, werde ich nach und nach in meinem Newsletter und meinem Blog darüber berichten und ich hoffe natürlich, dass ich damit noch mehr Betroffenen helfen kann, ihren Weg aus der Angst zu finden.

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews, welche Voraussetzungen den dauerhaften Therapieerfolg begünstigen – und wieso ein guter Therapeut immer auch Motivationstrainer ist!

Bild: Copyright Katja Kuhl

2018-03-21T17:17:59+00:00 13.03.2018|

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