Panikattacken loswerden

Die Berührung in Zeiten von Corona

Die Berührung in Zeiten von Corona

Ein Blogartikel von unserem Kollegen Hans-Joachim Ruhr:

Die Zahl der Single-Haushalte hat in den letzten Jahren zugenommen: „Für 17,3 Millionen Menschen in Deutschland erübrigt sich die Diskussion, wer gerade mit dem Abwasch dran ist: Sie führen ihren Haushalt allein.“ (FAZ vom 16.7.2019) Unser soziales Leben verlagert sich schon seit einiger Zeit vermehrt auf Facebook, WhatsApp-, Skype- oder Zoom- Welten. Das ist auch gut so. Es ermöglicht Kontakt, wo früher die Entfernung zu groß war, die Zeit fehlte oder andere Gründe ein persönliches Treffen verhinderten. Das bedeutet aber auch: 17,3 Millionen Menschen in Deutschland müssen erst ihre Wohnung verlassen oder Besuch von Freunden empfangen, wenn sie kuscheln wollen, in den Arm genommen werden wollen, wenn sie traurig oder einfach nur anlehnungsbedürftig sind. Und genau das ist zur Zeit von offizieller Seite nicht erwünscht.

Wenn die Lösung zum eigentlichen Problem wird

Ernstzunehmende Wissenschaftler sagen uns: Soziale Distanz ist neben Händewaschen unser einziges Mittel gegen die Corona-Pandemie. Aus diesem Grund sind die Menschen bereit, auf Kontakt zu Freunden und Kollegen, aber z.B. auch zu ihren Therapeuten zu verzichten. Wenn wir unsere Wohnung verlassen, dann um einzukaufen oder zur Arbeit zu gehen. Dabei bleiben wir auf Distanz zu den Menschen, die uns begegnen. Treffen wir einen Freund oder eine Freundin im Park, sollen wir ebenfalls Abstand halten, mindestens 1,5 Meter, besser zwei. Wer mit mehreren Menschen zusammen in einem Haushalt wohnt, für den mag das keine allzu große Herausforderung sein. Für Singles jedoch kann diese soziale Isolation zu einem ernsthaften Problem werden. Denn mangelnde körperliche Nähe macht auf Dauer körperlich und psychisch krank.

Singles, die jetzt wochenlang ohne körperliche Nähe auskommen müssen, zahlen einen hohen Preis

Auch wenn Sie sich das kaum vorstellen können: Längere unfreiwillige soziale Distanz ist ungesund und schwächt unter anderem das Immunsystem, also erreichen wir genau das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung. In der Forschung ist es gut belegt, dass unsere Vorfahren vor tausenden von Jahren in größeren Gruppen von etwa 30 bis 50 Individuen als Jäger und Sammler lebten. Für unsere psychische und körperliche Gesundheit ist das immer noch der Normalfall: Gemeinsamkeit, körperliche Nähe und Berührungen sind lebenswichtig. Einen erschreckenden Beleg für diese Erkenntnis lieferte Friedrich II. schon vor langer Zeit. Er wollte feststellen, welche Sprache Kinder entwickeln, wenn sie ohne Ansprache und Zuneigung aufwachsen. Über den genauen Hergang des Experiments ist wenig bekannt. Das Ergebnis seines Experiments war allerdings niederschmetternd: Alle Kinder starben, wohl auf Grund fehlender sensorischer Stimulation. Er schrieb dazu: »Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen.«

Und heute? Schon vor Corona diagnostiziert Uwe Hartmann, Professor für Sexualmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover in unserer Gesellschaft eine „chronische Berührungsarmut“. Jede zweite Frau und jeder dritte Mann sehnt sich deutlich stärker nach Kuscheln als nach Sex. Wir merken offenbar instinktiv, wie gut uns körperlicher Kontakt tut. Bei Umarmungen schüttet der Körper das Hormon Oxytocin aus, das gegen Stress wirkt. Der Blutdruck sinkt, das Stresshormon Cortisol wird vermindert, Ängste und Schmerzen können verblassen. Das Immunsystem wird gestärkt, wie Psychologen der Carnegie Mellon University in Pittsburgh herausfanden.

Was können Menschen, die allein leben, in der jetzigen Situation tun, um ihr Immunsystem zu stärken?

Es überrascht Sie sicher, zu hören, dass auch die eigene Vorstellungskraft eine ähnliche Wirkung haben kann, wie reale körperliche Nähe. Von der Sportwissenschaft haben wir gelernt, dass auch reines Mentaltraining reale körperliche Verbesserungen bewirkt. Neue neuronale Pfade werden gebildet sowie Hormone ausgeschüttet, die unser Wohlbefinden fördern. Diese Erkenntnis ist einer der wichtigsten Bausteine zur Lösung. Beginnen Sie also mit dem Training ihrer Vorstellungskraft. Die 10-Satz Methode in Kombination mit der 5-Kanal Technik ist bestens geeignet, hier Lösungen zu schaffen (Sie finden beide Techniken in Klaus Bernhardts Spiegel-Bestseller: „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“). Gerade wenn Sie alle fünf Sinneskanäle gezielt mental trainieren, sich also auch das Empfinden von Berührung intensiv vorstellen, stellt sich bald der Erfolg ein.

Wenn Sie zusätzlich mit den ebenfalls im Buch enthaltenen Stopptechniken negative Gedankenschleifen stoppen (wie z.B. „Ich bin allein“), dann hat dieses Training fast denselben positiven Effekt auf Ihre Psyche, wie echte soziale Kontakte und echte Berührungen. So gestärkt überstehen Sie auch das längste Kontaktverbot und trainieren Ihr Gehirn ganz nebenbei darauf, nach der Krise schneller und treffsicherer einen Partner zu finden, der wirklich zu Ihnen passt.

Die mobile Version verlassen