Diagnose Emetophobie: Eine neue Therapie bringt endlich Hoffnung für Betroffene.

Frau, aud die Unterlippe beissend

Seit ca. 4 Jahren gibt es eine Methode, mit der Emetophobiker die Angst vor dem Erbrechen regelrecht verlernen können. Denn eine Emetophobie ist streng genommen nichts anderes, als ein falsch verknüpftes Gehirn. Dieser Blogartikel von Institut für moderne Psychotherapie in Berlin erklärt, wie sich diese falschen Verknüpfungen oft binnen weniger Monate auflösen lassen.

Emetophobie wird vor allem über zwei Sinneskanäle ausgelöst

Auch wenn viele Betroffenen sich dessen nicht bewusst sind, so lösen Sie dennoch die Angst vor dem Erbrechen selbst aus. Dies geschieht in erster Linie über den visuellen Kanal, also über das SEHEN. Konkret bedeutet das, sie entwerfen vor ihrem inneren Auge eine Szene, in der sich jemand übergibt oder zumindest bereits würgt. Oft tauchen diese inneren Bilder nur ganz kurz auf (eine Sekunde oder weniger). Dennoch reichen sie dem Gehirn, um die Kettenreaktion der Emetophobie in Gang zu setzen.

Bei vielen spielt aber auch der auditive Kanal, also das HÖREN eine große Rolle. So führen Emetophobiker in Gedanken häufig eine Art Selbstgespräch, in dem Sie sich sagen, dass z.B. auf einer Party bestimmt wieder jemand zu viel trinkt und sich dann übergeben muss. Schon dieser innere Dialog sorgt dafür, dass ein Gefühl der Übelkeit einsetzt und die Betroffenen der Party fernbleiben.

Als dritter Kanal kommt dann noch der olfaktorische Kanal, also der GERUCHSSINN, ins Spiel. Allerdings funktioniert dieser bei einem Emetophobiker in der Regel genauso zuverlässig, wie bei jedem anderen auch. Bestimmte Gerüche warnen uns vor unangenehmen Situationen und geben uns somit rechtzeitig die Gelegenheit, einen großen Bogen um bestimmte Orte zu machen. Das dient einzig und alleine unserer Gesundheit und ist somit weder falsch noch krankhaft.

Dasselbe gilt auch für das FÜHLEN und das SCHMECKEN. Schmeckt etwas verdorben, macht es durchaus Sinn, es auszuspucken.

Und wenn der Magen oder der Darm sich verkrampft ist das ebenfalls ein Zeichen, dass wir ernst nehmen sollten – es sei denn, die Verkrampfung ist nur eine Folgeerscheinung, weil wir uns VORHER auf den auditiven oder den visuellen Kanal etwas Ekliges vorgestellt haben und die Verkrampfung somit nur die Folge einer unnötigen Histamin-Ausschüttung ist.

Echte Körperreaktionen auf eingebildete Situationen

Auch wenn die Auslöser der Emetophobie ihren Ursprung in der Fantasie der Betroffenen haben, so reagiert deren Körper dennoch mit echter Übelkeit. Denn das Gehirn schüttet als Folge der unangenehmen inneren Bilder und Dialoge den Neurotransmitter Histamin aus. Dieser sorgt dann binnen Sekunden dafür, dass der Magen des Emetophobikers verkrampft und das Gefühl von Übelkeit entsteht.

Dass es sich hierbei eigentlich nur um ein uraltes genetisches Programm handelt, dass uns bei drohender Gefahr leistungsfähiger machen soll, ist für Betroffene sicher nur ein schwacher Trost. Dennoch kann Ihnen dieses Wissen später noch helfen, um ihren Körper und auch die Entstehung der Emetophobie besser zu verstehen. Wenn wir durch einen angstvollen Gedanken im Flucht- oder Kampf-Modus sind, schüttet unser Körper Histamin aus, um durch eine Verkrampfung des Magens binnen Sekunden jegliche Verdauungstätigkeit zu stoppen. Diese bringt am Ende zwar viel Energie, während des Prozesses verbraucht Sie aber auch einiges davon.

Und genau diese Energie will Ihr Körper Ihnen bei Gefahr lieber zur Verteidigung oder Flucht zur Verfügung stellen.

Mit gezieltem Mentaltraining Emetophobie regelrecht verlernen

Der visuelle und der auditive Kanal sind also in aller Regel die beiden, in denen sich die Angst vor dem Erbrechen verselbstständigt hat. Und zwar dadurch, dass wir nicht erst dann körperlich reagieren, wenn wir wirklich mit einer unappetitlichen Situation konfrontiert werden, sondern schon lange vorher, indem wir uns einfach nur vorstellen, was passieren könnte. Und genau deshalb ist es nötig, auf diesen Kanälen ein mentales Gegenprogramm zu starten, damit die Angst vor dem Erbrechen wieder auf ein gesundes Normalmaß zurückgeführt werden kann und Betroffene nach ein paar Wochen Mentaltraining auch wieder ganz normal am sozialen Leben teilnehmen können.

Dieses Gegenprogramm, das übrigens nicht nur bei Emetophobie wirksam ist, sondern mit dessen Hilfe sich nahezu alle Angststörungen überwinden lassen, habe ich ausführlich in meinem Spiegelbestseller „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden!“ beschrieben. Die darin aufgeführten Übungen sind ganz einfach und können auch ohne therapeutische Begleitung durchgeführt werden. Wer es noch einfacher möchte, für den haben wir einen 52-teiligen Videokurs entwickelt, der Sie Stück für Stück durch den Prozess begleitet und mit dessen Hilfe es mittlerweile schon hunderte ehemaliger Angstpatienten geschafft haben, Emetophobie, Hypochondrie, Agoraphobie, Panikattacken oder auch generalisierte Angststörungen aus eigener Kraft zu überwinden. Wer mag, der kann sich die erste Folge dieses Kurses gleich hier kostenlos ansehen.

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Daran erkennen Sie einen Emetophobiker

Wer unter Emetophobie leidet, hat ständig Angst davor, er könne sich selbst übergeben oder aber Zeuge werden, wie jemand anders dies tut. Da viele Ihre Krankheit geheim halten, da es ihnen unangenehm ist, darüber zu sprechen, vermeiden Betroffene zunehmend Situationen, in denen Sie in irgendeiner Art und Weise mit Übelkeit konfrontiert werden könnten. Denn schon der Gedanke, anderen dabei zusehen zu müssen oder durch Gespräche, Filme oder Bilder mit dem Thema „Erbrechen“ konfrontiert zu werden, löst bei den Betroffenen ein starkes Unwohlsein aus.

Die Angst vor dem Erbrechen ist dabei oft so stark, dass ganz ähnliche körperliche Symptome auftreten, wie bei einer Panikstörung oder einer Agoraphobie:

  • Schwindel,
  • Übelkeit,
  • Herzrasen,
  • Atem- oder Schluckbeschwerden,
  • Beklemmungsgefühle,
  • Kribbeln an verschiedenen Stellen des Körpers,
  • Schweißausbrüche.

Besonders schlimm ist für die Betroffenen zudem, dass als Panikauslöser oft schon ganz gewöhnliche Körperregungen genügen, die jeder kennt: Verdauungsgeräusche, ein Hungergefühl, ja selbst ein kurzes Husten kann ausreichen, um die Kettenreaktion der Angst in Gang zu setzen.

Wer unter Emetophobie leidet, meidet vieles, was Spaß macht

Überall dort, wo gefeiert und im Zweifel auch Alkohol getrunken wird, vermuten die Betroffenen, „Zeuge des Erbrechens“ zu werden. Deswegen meiden Sie Betriebsfeiern, Partys, Konzerte, Discobesuche und Jahrmärkte so gut es geht. Und aus demselben Grund werden auch Schiffs- und Flugreisen nicht mehr als attraktiv empfunden.

Alles, was Spaß macht und das Leben bereichert, wie z.B. der Urlaub im Ausland, wird vom Emetophobiker als potentielle Gefahr eingestuft und deswegen abgelehnt.

Das sorgt im sozialen Miteinander bei Partnern, Familienangehörigen und Freunden nicht selten für Ärger, weil sich die Freizeitplanung immer an den Ängsten der Betroffenen ausrichten muss.

Das Wissen, dass Emetophobie nicht „normal“ ist, hilft nicht

Wer unter der Angst vor dem Erbrechen leidet, weiß in aller Regel, dass diese Angst unangemessen ist. Trotzdem sind die Betroffenen davon überzeugt, diese Ängste nicht überwinden zu können. Ständig warten sie förmlich darauf, wieder mit irgendetwas konfrontiert zu werden, das Übelkeit auslösen könnte.

Genau dieser falsch trainierte Fokus ist der Hauptauslöser der Phobie. Denn unser Gehirn, da ist sich die Gehirnforschung heute sicher, vernetzt jeden einzelnen Gedanken in Form von synaptischen Verbindungen. So entsteht im Laufe der Zeit eine regelrechte Datenautobahn im Gehirn der Betroffenen, die vor allem eines gut kann: Unbegründete „Angst vor dem Erbrechen“ erzeugen. Und das, wie Sie ja jetzt wissen, vor allem auf dem auditiven und dem visuellen Kanal. Und noch etwas wissen wir heute mit Sicherheit: Alles was man unbewusst antrainiert hat, kann man auch wieder bewusst abtrainieren. Oder anders ausgedrückt: Nur weil Ihr Gehirn bestimmte unangenehme Gedanken automatisiert hat, bedeutet das noch lange nicht, dass Sie dieser Automation den Rest Ihres Lebens ausgeliefert sind.

Klaus Bernhardt

Über den Autor

Klaus Bernhardt leitet in Berlin das Institut für moderne Psychotherapie. Er ist Autor der beiden Spiegelbestseller: „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ sowie „Depression und Burnout loswerden“. Seine Bücher wurden bislang in 18 Sprachen übersetzt und haben bereits unzähligen Menschen dabei geholfen, aus eigener Kraft psychische Probleme zu überwinden. Klaus Bernhardt ist Mitglied der Akademie für neurowissenschaftliches Bildungsmanagement (AFNB) und ehrenamtlicher Moderator in der Initiative neues Lernen (INL).