Bei Bluthochdruck sind Betablocker oft unnötig

Die Macht der Psyche zu unterschätzen und psychosomatische Erkrankungen so zu behandeln, als wären es echte körperliche Beschwerden, ist leider ein häufig gemachter Fehler. Es lassen sich heute tatsächlich wesentlich mehr Krankheitsbilder auf psychische Ursachen zurück führen, als man das lange Zeit vermutet hatte. Viele meiner Patienten klagen zum Beispiel über zu hohen Blutdruck, auch Hypertonie genannt. Etliche messen mehrmals täglich und nicht wenige nehmen seit Jahren Betablocker ein, um den Blutdruck zu senken.

Dabei ist heute eindeutig bewiesen, dass es schon reichen kann, Angst davor zu haben,  dass man einen zu hohen Blutdruck zu hat, um diesen in die Höhe schnellen zu lassen. Dieses Phänomen ist in der Medizin mittlerweile gut erforscht und heißt Weißkittelhypertonie oder auch Weißkittelsyndrom.  So benannt, weil alleine der Anblick eines weißen Arztkittels bei vielen Menschen genügt, um den Blutdruck in die Höhe zu treiben. Ein ähnlicher Effekt kann auch bei Menschen beobachtet werden, die sich selbst das Blutdruck-Messgerät anlegen und dann Angst vor dem Ergebnis haben.

Betablocker werden oft zu schnell verschrieben

Ich rate allen meinen Patienten grundsätzlich zuerst eine Langzeitblutdruckmessung über 24 Stunden machen zu lassen, bevor sie damit anfangen, Betablocker gegen Bluthochdruck einzunehmen. Sind die Messergebnisse dann überwiegend im grünen Bereich, sollten Sie mit Ihrem Hausarzt ernsthaft darüber sprechen, ob diese Medikamente wirklich notwendig sind. Denn wenn Sie über Jahre hinweg grundlos Betablocker einnehmen, weil bei Ihnen auf Grund von falschen Messergebnissen eine Hypertonie diagnostiziert wurde, kann Ihr Körper auf lange Sicht ernsthaften Schaden nehmen. Vereinzelte Phasen von Bluthochdruck, über den Tag verteilt, sind definitiv noch kein Grund, sofort medikamentös gegenzusteuern.

Hoher Blutdruck kann sehr hilfreich sein

Kurzzeitiger Bluthochdruck ist meist eine ganz normale und gesunde Reaktion Ihres Körpers. Unter Stress, wozu auch Angst zählt, verbraucht Ihr Körper mehr Energie. Der Zellumsatz ist höher, Sauerstoff und Nährstoffe müssen schneller transportiert werden und auch die Schlackenstoffe müssen schneller abtransportiert werden. Deshalb erhöht Ihr Körper den Blutdruck, denn diese Arbeit kann nur durch einen schnelleren Blutfluss gewährleistet werden. Sobald der Stress nachlässt, reguliert sich der Bluthochdruck ganz von alleine, weil nun wieder ein normaler Blutdruck ausreicht um alle weiteren Aufgaben zu erledigen. Kritisches Hinterfragen ist also oftmals angebracht, wenn allzu schnell Betablocker verschrieben werden, ohne dass zuvor das soziale Umfeld und die aktuelle Lebensbelastung  mit hinterfragt wurde.

2018-11-06T11:17:26+00:00
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