Panikattacken loswerden

Agoraphobie und Panikattacken: Alle Infos im Überblick

Wer nicht selbst schon einmal unter Angstzuständen zu leiden hatte, kann sich kaum vorstellen, wie unwirklich und bedrohlich es sich anfühlt, unter einer Agoraphobie oder auch unter einer Panikstörung zu leiden.

Wer nicht selbst schon einmal unter Angstzuständen zu leiden hatte, kann sich kaum vorstellen, wie unwirklich und bedrohlich es sich anfühlt, unter einer Agoraphobie oder auch unter einer Panikstörung zu leiden. Alleine schon der Gedanke, eventuell mit einer angstbesetzten Situation konfrontiert zu werden, reicht aus, um eine ganze Reihe von Angstsymptomen auszulösen. Die Betroffenen leiden dann wechselweise unter Schweißausbrüchen oder Kälteschauern, Benommenheit macht sich breit (bis hin zum Gefühl ohnmächtig zu werden) und nicht wenige verspüren zudem extreme Atemnot. Auch der Herzschlag wird meist so schnell, dass viele nur noch mit starken Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen) wieder halbwegs zur Ruhe kommen.

Agoraphobie führt zu einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten

Je länger eine Panikstörung anhält, umso größer wird die Angst vor einem möglichen Kontrollverlust. Deshalb entwickeln Agoraphobiker meist sehr raffinierte Vermeidungsstrategien, um nicht mit angstgesetzten Situationen konfrontiert zu werden. Viele versuchen auf diesem Weg auch, ihre Angsterkrankung möglichst lange geheim zu halten. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, der für Außenstehende oft nur schwer zu durchschauen ist. Angstbesetzte Situationen wie z.B. Flugreisen werden dadurch gemieden, dass Betroffene es scheinbar nicht mehr mit ihrem ökologischen Gewissen vereinbaren können, ein Flugzeug zu besteigen. Große Menschenansammlungen wie Familienfeste oder Betriebsfeiern werden ebenfalls nicht mehr besucht, weil man angeblich noch sauer auf irgendeinen Onkel oder eine Kollegin ist.

Dass dies jedoch meist nur vorgeschobene Gründe sind, um nicht öffentlich zugeben zu müssen, dass man unter einer Panikstörung leidet, ahnt anfangs kaum jemand. Wer sich jedoch zu lange von gesellschaftlichen Events fernhält, gerät jedoch mehr und mehr in die soziale Isolation. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich zur Agoraphobie auch noch depressive Verstimmungen gesellen, denn regelmäßige Sozialkontakte sind ein wesentlicher Baustein einer gesunden Psyche.

Woran erkennen Sie, ob jemand in Ihrer Umgebung unter einer Angsterkrankung leidet?

Gerade in der Anfangsphase einer Agoraphobie (egal ob mit oder ohne Panikattacken) klingen die Begründungen, weshalb Betroffene die gefürchteten Situationen meiden, meist noch ganz plausibel. Doch wenn sich das Vermeidungsverhalten mit der Zeit so sehr ausweitet, dass z.B. neben Flugzeugen auch Busse und Bahnen vermieden werden, dann sollten bei Ihnen alle Alarmglocken schrillen.

Auch wenn Einladungen zu Partys zwar dankend angenommen werden, der oder diejenige dann aber wiederholt nicht erscheint, liegt die Vermutung nahe, dass hier jemand unter Umständen schon länger unter einer Panikstörung leidet. Hier bei einem Gespräch unter vier Augen seinen Verdacht konkret auszusprechen und Verständnis zu signalisieren, hat schon so manchem Agoraphobiker geholfen, wieder ein Stück weit aus der selbstgewählten Isolation herauszukommen.

Was bedeutet Agoraphobie eigentlich genau?

Das Wort Agoraphobie setzt sich aus dem altgriechischen Wort für Marktplatz „Agora“ zusammen und dem Wort „Phóbos“, welches ebenfalls aus dem altgriechischen stammt und Furcht bzw. Angst bedeutet. Daher stammt auch das früher gebräuchliche Wort „Platzangst“, welches aber umgangssprachlich häufig falsch verwendet wird, nämlich um die Angst vor engen Räumen auszudrücken. Der korrekte Ausdruck hierfür ist jedoch Klaustrophobie, während Agoraphobie die Angst vor Großen Plätzen oder Menschenansammlungen beschreibt.

Dennoch leiden auch Agoraphobiker häufig unter einem Engegefühl. In geschlossenen Räumen fühlen Sie sich hilflos, weil sie das Gefühl haben, nicht schnell genug vor angstauslösenden Situationen fliehen zu können. Die Symptomatik unterscheidet sich aber insofern von der eines Klaustrophobikers, als dass dieser schon Angstzustände bekommt, wenn er sich alleine in einem engen Raum befindet, während es beim Agoraphobiker vor allem andere Menschen sind, der er als bedrohlich empfindet, weil sie ihn entweder während einer Panikattacke beobachten könnten oder ihm aber bei seiner Flucht (vor einem sich ankündigenden Angstanfall) im Weg stehen könnten.

Welche Therapie hilft gegen Agoraphobie?

Lange Zeit galt die expositionsbasierte Therapie (auch Konfrontationstherapie genannt) als das Mittel der Wahl, wenn es um die Behandlung einer Panikstörung mit Agoraphobie gibt. Doch selbst in der entsprechenden Fachliteratur des Hogrefe Verlags wird darauf hingewiesen, dass die Durchführung dieser Therapie sich häufig als schwierig erweist.

Der große Schwachpunkt dieser Therapieform ist nämlich, dass ein Patient nur lernt, seine automatisiert ablaufende Angstreaktion zu ertragen. Durch regelmäßiges „sich den Ängsten stellen“ sollen Betroffene lernen, dass weder die Situation bedrohlich noch sie selbst hilflos sind, sondern die Phobie nur ein Produkt der eigenen Erwartungsängste ist. All die gefürchteten Symptome, wie z.B. Herzklopfen, Kribbelgefühle, Atembeschwerden oder das unerträgliche Gefühl der Hilflosigkeit wirken zwar lebensbedrohlich, stellen aber in Wirklichkeit zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Leib und Leben dar.

Dennoch: Eine echte Angstfreiheit wird durch die Konfrontationstherapie nur in den seltensten Fällen erreicht. Die Betroffenen funktionieren zwar wieder innerhalb der Gesellschaft, die beklemmenden Gefühle sind jedoch unterschwellig meist weiter vorhanden. Deshalb ist es bei vielen Agoraphobikern nur eine Frage der Zeit, bis sie Stück für Stück wieder zum Vermeidungsverhalten zurückkehren. Denn niemand hält sich gerne freiwillig in Situationen auf, die nach wie vor Angstreaktionen auslösen, auch wenn man gelernt hat, diese nicht mehr so ernst zu nehmen.

Agoraphobie und das Problem mit den Sicherheitssignalen

Ein weiteres Problem stellt die Verwendung sogenannter Sicherheitssignale dar. Für einen Agoraphobiker kann das z.B. das Vorhandensein eines anderen Menschen sein, dem er vertraut, wie etwa der Partner oder auch ein Therapeut. Aber auch Medikamente wie z.B. Tavor oder ein Glücksbringer eignen sich als Sicherheitssignal. Ist dieses während der Expositionstherapie vorhanden, kann sich das Angstgefühl unter Umständen deutlich reduzieren, da etwas oder jemand in greifbarer Nähe ist, der einem ein Sicherheitsgefühl gibt. Anderseits kann aber auch das Fehlen eines Sicherheitssignals die Angst regelrecht anfachen. So bekommen Betroffene z.B. in dem Moment eine Panikattacke, in dem ihnen auffällt, dass Sie das Haus verlassen haben, ohne für Notfälle eine Beruhigungstablette dabei zu haben. Insofern sollte es das Ziel jeder Therapie sein, dass Patienten gänzlich auf Sicherheitssignale verzichten können.

Neue Wege bei der Behandlung von Agoraphobie 

Eine Therapieform, die Patienten meist sehr schnell in die Lage versetzt, sich ohne Sicherheitssignale angstfrei auf großen Plätzen und in Menschenmassen zu bewegen, ist die sogenannte Bernhardt-Methode. Ohne Konfrontation und ohne Medikamente lernen Angstpatienten hierbei spezielle Mentaltechniken, durch die die neuronale Programmierung der Angst regelrecht gelöscht wird. Das funktioniert unter anderem deswegen so gut, weil es ja in der Regel keine realen Bedrohungen sind, die der Agoraphobiker vermeiden will, sondern eigentlich nur der Gedanke, was alles passieren könnte, die Angstreaktion bis hin zur Panikattacke auslöst.

Wenn jedoch reine Phantasien aus gesunden Menschen Angstpatienten machen können, dann muss es logischerweise auch andere Phantasien geben, die diesen Prozess wieder rückgängig machen. Und genau darum geht es bei der Bernhardt-Methode, die vor einigen Jahren im Institut für moderne Psychotherapie in Berlin entwickelt wurde. Wer sich näher über diese innovative Selbsttherapie informieren möchte, für den haben wir hier ein Video verlinkt, das diesen Prozess anschaulich erklärt. Das Video ist Teil eines 52 teiligen Videokurses, der speziell für Menschen mit Angststörungen entwickelt wurde.

Starke Beruhigungsmittel sollten bei Agoraphobie nur in absoluten Notfällen eingenommen werden   

Bislang gingen sowohl Betroffene als auch Psychotherapeuten und Psychiater davon aus, dass die Behandlung einer Agoraphobie meist langwierig ist und medikamentös unterstützt werden muss. Dies galt vor allem dann, wenn heftige Panikattacken die Patienten mehr und mehr in ein Vermeidungsverhalten gedrängt haben und die Betroffenen dann (oft aus Scham) versuchen, die gefürchteten Situationen mit Hilfe von Beruhigungsmitteln doch noch zu bewältigen.

Ein Vermeidungsverhalten liegt übrigens immer dann vor, wenn eine angstauslösende Situation, wie z.B. der Besuch von öffentlichen Veranstaltungen oder das Überqueren von großen Plätzen vollständig gemieden wird. Doch leider verringern solche Vermeidungsstrategien die Symptomatik der Angst bei Betroffenen nicht, sondern sorgen vielmehr dafür, dass die Phobie sich auf immer mehr Lebensbereiche ausweitet. Auch deswegen versuchen Betroffene immer wieder, mit Hilfe von starken Beruhigungsmitteln, sogenannten Benzodiazepinen, wenigstens ein Stückchen Normalität zurückzugewinnen.

Doch diese Strategie hat leider einen gewaltigen Haken: Diese Medikamente ändern nichts an der Ursache des Problems, sie unterdrücken nur kurzzeitig das Angstempfinden. Zudem wird dadurch eine echte Therapie meist unnötig lange herausgezögert, wodurch die Agoraphobie sich mehr und mehr ausweiten kann. Das bedeutet, dass immer mehr Situationen, die früher noch problemlos gemeistert werden konnten, sich mit einem Mal bedrohlich und unwirklich anfühlen. Während früher nur ab und an zu Beruhigungsmitteln gegriffen wurde, werden die Medikamente nun täglich eingenommen, um zumindest irgendwas gegen die Benommenheit, die Atembeschwerden und den erhöhten Herzschlag zu unternehmen.

Doch davon wird weder die Häufigkeit der Angstanfälle weniger noch das Gefühl ohnmächtig zu werden. Man riskiert vielmehr, dass sich nun zur Angststörung noch ein weiteres Problem gesellt, nämlich eine körperliche Medikamentenabhängigkeit. Möchte man die Beruhigungsmittel dann abrupt absetzen (wovor wir dringend warnen, da diese grundsätzlich unter ärztlicher Aufsicht ausgeschlichen werden sollten!), regieren Körper und Psyche mit heftigen Entzugserscheinungen in Form Schwindel, Herzrasen, Benommenheit, Atemnot sowie extremen Panikattacken und dem Gefühl verrückt zu werden.

Antidepressiva gegen Agoraphobie: Das große Problem mit dem Absetzsyndrom

Auch Antidepressiv, die ebenfalls häufig bei Agoraphobie und Panikattacken eingesetzt werden, geraten immer mehr in die Kritik. Zwar weigern sich Pharmakonzerne bislang noch vehement, einzugestehen, dass auch von diesen Medikamenten die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit ausgeht, doch zumindest das sogenannte „Absetzsyndrom“ kann schon lange nicht mehr geleugnet werden. Betroffene leiden dann während der Absetzphase erneut unter Angstschüben, obwohl die Angststörung eigentlich schon überwunden wurde. Da die wiederaufgeflammte Angst aber unter Umstanden über mehrere Wochen oder gar Monate anhält, glauben viele Betroffene, dass die fehlenden Medikamente die Ursache für das erneute Auftauchen von Angst und Panik sind, und kehren wieder zu Ihrer ursprünglichen Medikation zurück. Ein Teufelskeis, der nicht selten dafür sorgt, dass Agoraphobiker teilweise über Jahrzehnte hinweg unnötig Antidepressiva einnehmen. Denn tatsächlich leiden sie nur unter einem Absetzsyndrom, also vorrübergehenden psychischen Entzugserscheinungen, ausgelöst durch das Absetzen der Medikamente. Um dieses Syndrom möglichst zu vermeiden, sollten Antidepressiva deswegen (ebenso wie Benzodiazepine) nur ganz langsam und unter ärztlicher Aufsicht ausgeschlichen werden.

Neuroplastizität: Der Schlüssel zur schnellen Überwindung von Agoraphobie mit und ohne Panikattacken

Unter Neuroplastizität versteht man die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, sich bis ins hohe Alter neu zu vernetzen. Dabei lässt buchstäblich jeder einzelne Gedanke im Gehirn neue Verbindungen entstehen. Dinge, die wir oft denken, können immer leichter abgerufen werden, während Gedankengut, dass selten oder gar nie gedacht wird, neuronal abgebaut wird. Bei Agoraphobikern bedeutet das, dass Sie permanent darüber nachdenken, was alles im schlimmsten Fall passieren könnte, wenn Sie mit einer bestimmten Situation konfrontiert werden und die Angst sie wieder überfällt.

Was das Gehirn jedoch weitgehend verlernt hat, sind Gedanken mit folgendem Inhalt:

  • Sich entspannt in großen Menschenansammlungen aufhalten
  • Ohne Begleitung in öffentlichen Verkehrsmitteln fahren
  • Auch bei dichtem Verkehr selbst auf der Autobahn fahren
  • Wieder ohne Vermeidungsverhalten am alltäglichen Leben teilnehmen
  • Entspannt in den Urlaub fliegen
  • Ohne Platzangst große Plätze überqueren
  • Gelassen auf Partys gehen oder an Familienfesten teilnehmen
  • Im Supermarkt entspannt an der Kasse warten

Die Neuroplastizität gezielt anzuregen, um ein auf Angst trainiertes wieder so zu vernetzten, dass es statt einer Panikstörung wieder automatisiert ablaufende Gedanken der Leichtigkeit produziert, ist ein neuer und überaus erfolgversprechender Weg in der Psychotherapie. Ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist der Leiter des Instituts für moderne Psychotherapie in Berlin, Klaus Bernhardt. Bereits vor 8 Jahren entwickelte er eine besondere Form der Selbsttherapie, mit der Betroffene ihre Angststörung teilweise schon nach 6 bis 12 Wochen soweit abschwächen konnten, dass wieder ein weitgehend normales Leben möglich war. In einem kürzlich erschienen Fernseh-Interview beschrieb er die Entwicklung seiner Therapie so:

„Die meisten Angststörungen kommen schnell, scheinbar aus weiterem Himmel. Viele Jahre haben wir uns gefragt, warum es dann nicht auch möglich sein sollte, diese Ängste ebenso schnell wieder verschwinden zu lassen, wie sie gekommen sind. Also machten wir uns auf die Suche nach den wahren, den neuronalen Auslösern von Angst und Panik. Je länger wir forschten, umso klarer wurde uns, dass die Neuroplastizität des Gehirns der Schlüssel dazu sein musste. Und zwar nicht nur der Schlüssel zur Entstehung der Angst, sondern auch der Schlüssel, mit dem sich alles wieder rückgängig machen ließ. Wenn eine bestimmte Art des Denkens aus gesunden Menschen Angstpatienten machen kann, dann musste es auch eine andere Art des Denkens geben, die diesen Prozess wieder umkehrt….

Basierend auf diesem Gedanken ist es uns schließlich gelungen, spezielle Mentalübungen zu entwickeln, die das Angstprogramm im Gehirn regelrecht löschen, und zwar durch gezielte, positive Stimulierung der Neuroplastizität. Heute wissen wir, dass es mit der Bernhardt-Methode möglich ist, Agoraphobikern und Menschen mit einer Panikstörung wesentlich schneller und nachhaltiger zu helfen, als das bislang mit einer Kombination aus Psychopharmaka und Konfrontationstherapie, bzw. Expositionstherapie möglich war…“ 

Während die Bernhardt-Methode anfangs nur mit der Unterstützung eines speziell ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden könnte, steht mittlerweile ein detaillierter Videokurs zur Verfügung, mit dem Betroffene auch alleine die Neuroplastizität ihres Gehirns dazu nutzen können, sich Schritt für Schritt von Angst und Panik zu befreien. Wer sich diesbezüglich näher informieren möchte, findet HIER alle nötigen Details.

Über den Autor

Klaus Bernhardt leitet in Berlin das Institut für moderne Psychotherapie. Er ist Autor der beiden Spiegelbestseller: „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“ sowie „Depression und Burnout loswerden“. Seine Bücher wurden bislang in 18 Sprachen übersetzt und haben bereits unzähligen Menschen dabei geholfen, aus eigener Kraft psychische Probleme zu überwinden. Klaus Bernhardt ist Mitglied der Akademie für neurowissenschaftliches Bildungsmanagement (AFNB) und ehrenamtlicher Moderator in der Initiative neues Lernen (INL).

Die mobile Version verlassen